Mit der herrschenden Moral brechen

Ein Strafzettel klemmt unter dem Scheibenwischer, eine Steuernachzahlung oder ein demütigender Besuch beim AMS … Wir alle kennen das Gefühl, wenn wir zu etwas gezwungen werden und es ungerecht finden. Schon seltener stellen sich Menschen die Frage welche Institutionen hinter diesen Zwängen stecken und noch seltener werden diese Machtverhälntisse grundlegend angezweifelt.

An den alltäglichen Beispielen von staatlich organisierter Bestrafung wird deutlich,  dass die eigene moralische Auffassung über Rechtmäßigkeit teilweise stark abweicht von den gesetzlich fixierten Zuschreibungen „legal“ und „illegal“. Die Jusitzapparate der Nationalstaaten wollen der Bevölkerung vermitteln, dass  der Rahmen des Legalen eine neutrale und moralisch-universelle Instanz sei. Doch ist das wirklich so?

Die Ethik hinter den Gesetzen des Staates ist keinesfalls neutral, sondern  orientiert sich an neoliberal-kapitalistischen, rassistischen und sexistischen Grundannahmen. Für einen großen Teil unserer Gesellschaft gelten diese Annahmen als unhinterfragbar und „natürlich“.

Zum Beispiel befasst sich ein großer Teil der Gesetzgebung mit dem Thema Eigentum. Das Konzept des privaten Eigentums ist aber mitnichten etwas naturgegebenes und kann prinzipiell angezweifelt werden. Es gab unzählige Gesellschaftsformen, die ohne der Idee von Eigentum gelebt haben und es gibt auch heute noch politische Bewegungen und philosophische Denker*innen, welche sich ein Zusammenleben ohne Eigentumsverhältnisse wünschen. Die Logik des Kapitalismus ist also durchaus hinterfragbar!

Die Legislative verankert die Eigentumsdynamiken jedoch tief in unserem Alltag und ein abweichendes Verhalten wird strickt sanktioniert. Wenn sich eine Person nicht entsprechend der Moral des Eigentumsverhält und sich etwas Lebens-notwendiges aneignet, was eine andere Person im Überfluss besitzt, dann wird sie vom Staat bestraft. Dieses Konzept von Bestrafung sollte also kritisch hinterfragen werden. Was bezwecken Strafen? Ein „Wieder-gut-machen“ von einem Fehler wohl eher nicht, denn die betroffene Person oder das Opfer stehen nicht im Mittelpunkt. Das moderne Jusitzsystem will vor allem, dass das Indi-viduum, dass nicht der herrschenden Moral entsprechend gehandelt hat, leidet.

Diese zweifelhafte Vorstellung von Gerechtigkeit lenkt den Fokus von einer zwischenmenschlichen Beziehung auf ein unterdrückendes Verhältnis zwischen autoritären, strafender Staatsinstitution und unterworfene*r Täter*in. Der Staat raubt uns also unsere Konflikte, um seinen Herrschaftsanspruch auszubauen.

Diese Justiz ist auch eine ständige Drohung. Die Drohung im Knast zu landen. Wie ein Damoklesschwert hängt der Knast über uns und materialisiert die Herrschaft des Staates. Mit aller Härte verfestigen die Gefängnisse die herrschende Moral und ihre Gitterstäbe versichern uns, dass der Preis für ein abweichendes Verhalten der Verlust der Bewegungsfreiheit sein kann.

Kritik an einer Gesellschaft die durch Gefängnisse diszipliniert wird, ruft bei vielen Menschen Unsicherheiten hervor. „Was soll dann mit den Mördern und den  Vergewaltigern passieren?“ Diese Fragen müssen tatsächlich beantwortet werden, wenn mensch die Gefängnisstrukturen hinterfragt oder sich eine knastfreie Gesellschaft wünscht. Zunächst ist es wichtig, dass ein  Gerechtigkeitsverständnis, welches von den staatlich autorisierten Normen der Legalität und Illegalität abweicht, nicht bedeutet, dass jede als illegal deklarierte Tat automatisch positiv bewertet wird und umgekehrt auch nicht. Außerdem  werden die meisten Haftstrafen aufgrund von sogenannten Eigentumsdelikten  verhängt oder sind Ersatzfreiheitstrafen für nicht geleistete Geldstrafen. Die  wenigsten Menschen in den Gefängnis haben jemensch vergewaltigt oder umgebracht. Wir müssen Wege finden mit Konflikten und Fehlern umzugehen  ohne auf staatliche Autorität zurückzugreifen. Es gibt Wege mit zwischenmenschlichen Problemen umzugehen ohne das paternalistisches  Bestrafen und inhumane Wegsperren. Zudem müssen wir es schaffen, dass das  menschliche Bedürfnis nach Verantwortungsübernahme und Wiedergutmachung  tatsächlich umgesetzt wird. Auch wenn das Hinterfragen der Gefängnisstrukturen uns verunsichern kann und eine Vielzahl an Fragen aufwirft, müssen wir uns diesen Fragestellungen widmen um an der Realisierung einer wahrhaft befreiten Gesellschaft arbeiten zu können.

Für eine Welt ohne Knäste!

 

 

 

 

 

 

 

Podcast zu Klandestinität, Teil 1

Heute senden wir unsere zweite Übernahme:

Letze Woche haben wir einen Podcast aus der Deutschschweiz zum Thema Klandestinität, Flucht, Exil und Untertauchen zugesand bekommen. Diesen haben wir uns angehört und spielen ihn nun auch für euch auf Radio Helsinki.

 

Wir haben aber auch eine Ankündigung in eigener Sache:

Save the date! – Am 23.Juli bringen wir eine Anti-Knast Ausstellung in die Räumlichkeiten des Radios. An diesem Tag möchten wir die Ausstellungseröffnung mit einer Schreibwerkstätte und einer KüFa (Küche für Alle) begleiten. Wir freuen uns auch wenn ihr vorbei schaut. Infos dazu folgen noch!

 


 

Nun aber zum Podcast:

«Für 100 Gefährt*innen auf der Flucht gibt es mindestens 100 Gründe zu 100 unterschiedlichen Zeitpunkten, die sie dazu veranlassten und zur Entscheidung brachten, den Weg der Klandestinität einzuschlagen»

Wir denken, dass es enorm wichtig ist, das Thema mit all seinen Fragen und Facetten als gemeinsame Realität vieler Menschen zu sehen. Ein Leben, fern von den bekannten Orten und geliebten Menschen. Ein Leben, das Menschen zu Unsichtbaren macht.

Dieser Podcast basiert auf einem Vortrag, welcher im Mai 2019 im deutschsprachigen Raum gehalten und von verschiedenen Radiomachenden nachgesprochen wurde.

Er ist in zwei Teile aufgeteilt. Heute spielen wir den ersten Teil.

Mehr Infos gibts auf barrikade.info.

Für Feedbacks und Kontakt zu den Vortragenden: k-presentation[at]immerda.ch PGP-Key

 

Knast und Repression / FLINT Personen

In der heutigen Ausgabe von Zwischen Gitterstaeben haben wir für euch wieder eine vielfältige Sendung zusammen gebastelt. Diesmal mit mehr Musik, versprochen!

Es freut uns besonders, dass wir diese Sendung zusammen mit unseren Kolleg*innen aus Innsbruck diesmal an einem gemeinsamen Ort gestalten konnten.

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Zwischen Gitterstaeben legt heute einen Fokus auf den f* Streik der am 12. Juni in Graz und Innsbruck stattfindet. Mehr dazu erfährst in dieser Sendung.
Zusätzlich bringen wir von der f*Streik Gruppe aus Graz einen Beitrag zum Thema Knast und Repression von FLINT* (Female-, Lesbian-, Inter-, Nonbinary-, Trans-) Personen.
Es gibt dazu auch einen Einblick in die Dringlichkeit der #blacklivesmatter Bewegungen und der Gewalt an People of Color.

Mehr zu f* Streik Graz

Mehr zu f* Streik Innsbruck

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Weil nicht nur Binäre-Geschlechter in Knästen sitzen, bringen wir ein Interview des Radios Dreyeckland mit der Trans* Ratgeber Gruppe.

Das gesamte interview der Trans* Ratgeber Gruppe

Der Ratgeber

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Nepo und Joseffa aus Innsbruck stellen auch heute wieder eine Person vor, die sich gegenwärtig in Haft befindet.
Die widerständige Gefangene* Sunny sitzt seit drei Jahren in der JVA Chemnitz.

Wenn ihr mehr über Sunny wissen wollt, besucht ihren Blog.

Wir wünschen allen einen angenehmen f*Streik und ein gutes Reinhören in die Sendung Zwischen Gitterstaeben.